Akupunktur

Die Akupunktur ist ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Bei uns im Westen ist sie in den letzten Jahren sehr populär geworden. Dies liegt sicherlich auch daran, dass nun auch immer mehr Ärzte sich mit diesem komplexen Heilsystem beschäftigen.
Viele Akupunktur-Behandler nadeln "nach Rezept". Dies bedeutet, dass man sich bei einer bestimmten Symptomatik einer dafür festgelegten "Punkt-Rezeptur" bedient. Das heißt, sie wählen Punkte aus um die "Äste", aber nicht die "Wurzeln" einer Krankheit zu behandeln. Dies kommt unserer westlichen Mentalität der symptombezogenen Vorgehensweise zwar entgegen, funktioniert aber bei der Akupunkturbehandlung leider nur ganz selten.
Mit anderen Worten, die westliche Medizin kategorisiert die menschliche Erfahrung von Krankheit anders als die chinesische Medizin.

Und das gerade ist das schöne an der chinesischen Medizin, dass wenn man einmal gelernt hat:

anzuwenden sind, man auch die Krankheitsmuster und die Syndromdiagnostik ohne Schwierigkeiten erstellen kann.
Viele Behandler aber scheuen die Auseinandersetzung mit der chinesischen Terminologie, insbesondere die Beschäftigung mit den diagnostischen Regeln und der Syndromdiagnostik. Es hat den Anschein als ob das Schulwissen der westlichen Medizin hinderlich sei, tiefer in das Gedankengut der chinesischen Medizin einzusteigen.
Seit über 20 Jahren arbeite ich in meiner Praxis mit Akupunktur und den Methoden der TCM sehr erfolgreich, (zahlreiche Studienaufenthalte und Praktika in China, sowie zahlreiche Fortbildungen hier im Westen) und lernen immer wieder Neues dazu.

Die Akupunktur und das Meridiansystem (Jing Luo)Akupunktur am Bodensee - das Meridiansystem, Meridiane

Nach chinesischem Verständnis wird der Körper von einem Kanalsystem "Jing Luo" durchzogen, in welchem eine feinstoffliche Energie fliesst, das sog. "Qi".
übersetzt man den chinesischen Begriff "Jing" bedeutet er "das im Innern des Menschen befindliche (Blut) Gefässystem" und "Luo" wird mit "Netzwerk" übersetzt. Bei uns hat sich der Begriff "Meridiane" für die Akupunkturleitbahnen durchgesetzt. Er stammt von Schiffsärzten, die ihn in Anlehnung an die geographischen Meridiane, welche den Globus unterteilen, verwendeten.

Es gibt 14 Meridiane, wovon 2 genauer betrachtet eher zu den "Gefäßen" zählen. So daß es eigentlich besser ist von 12 Meridianen und 2 übergeordneten Gefäßen zu sprechen.

Die Bedeutung der Akupunktur-Meridiane

Die Diagnostischen Methoden

Es gibt in der chinesischen Heilkunde 4 diagnostische Methoden.

Anhand dieser Untersuchungsergebnisse erstellt der Akupunkturarzt eine sog. Syndromdiagnose
Diese orientiert sich an den Funktionskreisen und der sog. "Fülle und Leere" - Theorie. Aber auch bioklimatische Faktoren entsprechend der 5 Elementenlehre (Wu Xing) fliessen in die Syndromdiagnose mit ein.
"Aufsteigendes Leber-Yang und Leber-Hitze bedrohen das Herz" wäre nun eine solche Syndromdiagnose. Der Patient leidet evt. an Bluthochdruck, stechen in der Brust, Kopfschmerzen etc. Er hat eine dick gelb belegte Zunge, der Leberpuls ist hart und gespannt.
Anhand dieser Diagnose entwickelt der Akupunkturarzt nun sein therapeutisches Konzept.

Die Zungendiagnose

Die Zungendiagnose ist neben der Pulsdiagnose ein wesentliches Element innerhalb der TCM.
Auf der Zunge repräsentieren nach Ansicht der TCM, alle Organe ihre Reflexzonen. Der Akupunktur-Arzt unterscheidet bei der Zungendiagnose zwischen der Beschaffenheit des Zungenkörpers und dem Zungenbelag. Die Zungenqualität weist oft am klarsten und zuverlässigsten auf die Natur der Disharmonie und ihre Muster hin.
Mit Hilfe der Zungenfarbe, der Zungenform, von Aussehen und Farbe des Zungenbelags läßt sich eine präzise TCM-Diagnose und eine Prognose über den Krankheitsverlauf erstellen. Eine normale Zunge hat ein hellrotes, zartes Aussehen, ist mäßig feucht und mit einer dünnen, weißen Schicht bedeckt; im Falle einer Störung verändert sie sich entsprechend. Die Zunge wird in 3 Ebenen eingeteilt, diese entsprechen dem oberen, mittleren und unteren Dreifachen Erwärmer (Sanjiao). So werden der Funktionskreis Lunge und Herz dem oberen Erwärmer, die Funktionskreise Milz, Magen, Leber und Galle zum mittleren und die Funktionskreise Niere, Blase sowie Dünn- und Dickdarm dem unteren Erwärmer zugeordnet.

Die Pulsdiagnose

Die Pulsdiagnose stellt ein grundlegendes Merkmal der Chinesischen Medizin dar.
Ähnlich wie auf der Zunge gibt es auch hier 3 Ebenen oder Pulstastpositionen. Auf jedem Arm befinden sich 3 Zonen an der Arteria radialis (Speichenschlagader) welche nach Ansicht der TCM, Rückschlüsse auf Funktion und Aktivität der einzelnen Organen geben.
Der Behandler fühlt mit den Fingerkuppen seiner Hände die verschiedenen Pulstaststellen, indem er einmal stärker und einmal leichter gegen das Gefäß drückt. Der Akupunktur-Arzt erhält hierüber Informationen über Rhytmus und Geschwindigkeit der Pulswelle des fliesenden Blutes und über die Spannung der Arterie selbst. Die Pulstastung ist zwar eines der wichtigsten, zuverlässigsten und aussagekräftigsten Verfahren der chinesischen Diagnostik, zugleich aber auch jenes, bei dessen Erlernen auf seiten nicht nur der westlichen Schüler außerodentliche Schwierigkeiten bestehen. Die Fertigkeit, die bei der Pulsdiagnose gefordert wird, läßt sich sehr anschaulich mit der vergleichen, die zum Lesen einer Blindenschrift vonnöten ist.

Die Behandlung mit Akupunktur

Bei der Akupunktur verwendet man meist 0,15 - 0,3 mm dünne Edelstahlnadeln. Diese sind bei uns sog. Einmalmaterialien, d.h. sie werden nach einmaliger Benutzung entsprechend entsorgt. Es gibt heute auch sehr gute Original-China Nadeln welche sich auch ganz hervorragend für die Einmalanwendung eignen. Die dünneren Nadeln finden bei Kindern, empfindlichen Menschen oder im Gesicht Anwendung.
Der Einstich ist nicht schmerzhaft, wenn er richtig durchgeführt wird.
Damit der Einstich nicht spürbar wird, gibt es verschiedene Techniken. Nach dem Einstich fühlt der Patient eine Empfindung, die man als dumpfes elektrisches Ziehen beschreiben könnte. Dies tritt entweder nur lokal auf, oder verläuft in Richtung des betreffenden Meridianes. Man nennt dieses Gefühl "De-Qi" (eintreffen, oder ankommen der Energie) dieses De-Qi ist für den Behandlungserfolg ganz wichtig. Das De-Qi-Phänomen löst ein guter Akupunkteur bei genauer Punktlokalisation, Stichrichtung und Stichtiefe fast immer aus.
Damit der Patient sich während der Behandlung entspannen kann, sollte er bequem und warm gelagert werden.

Die Ohrakupunktur

In einigen klassischen Werken der chinesischen Akupunktur wird die Ohrakupunktur bereits erwähnt. In jüngerer Zeit widmete sich der französische Arzt Paul Nogier der Nadelbehandlung des Ohres. Er stellte fest, daß das Ohr eine Reflexzone des ganzen Körpers darstellt. Betrachtet man die Funktion des zentralen Nervensystems und dort die Großhirnrinde, so erkennt man eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Projektion des Körperschemas in der Ohrmuschel. Für die Ohrakupunktur verwendet man kleine Nadeln, Metallkügelchen oder Samenkörner einer bestimmten Pflanze, welche in einem Dekokt aus verschiedenen Heilkräutern zubereitet und abgekocht werden und so den Reiz ganz Indikationsbezogen zu verstärken.

Das Schröpfen

Die Schröpfkopfbehandlung hat in China lange Tradition. So verwendete man früher Gefässe aus Bambus, Keramik oder Horn. Mittlerweile benützt man ausschliesslich Gefäße aus Glas, weil diese durchsichtig sind und man so den Schröpfvorgang und die Reaktion der Haut sehr gut von aussen beobachten kann.
Beim Schröpfen wird durch verschiedene Methoden ein Unterdruck, oder Vakuum im Schröpfglas erzeugt. Danach appliziert man den Schröpfkopf an der gewünschten Stelle.
Die Schröpfkopftherapie hat die Aufgabe, den Fluß von Qi und Blut in den Meridianen anzuregen und zu erwärmen, Schmerzen zu stillen, Schwellungen zu beseitigen sowie Feuchtigkeit und Kälte zu entfernen. Es gibt das blutige und das unblutige Schröpfen. Die Schröpfmethode ist auch bei uns in der abendländischen Medizin verbreitet und hatte früher einen hohen Stellenwert, insbesondere innerhalb der Humoralpathologie galt sie als adäquate Methode, neben dem Aderlass, um schlechte Säfte auszuleiten.
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Die Moxibustion

Die Moxatherapie behandelt und beugt Krankheiten vor, indem man auf Akupunkturpunkte oder andere Körperstellen durch brennende Beifußblätter erhitzt. Diese Wärme dringt in die Muskulatur ein, reizt das Gewebe und regt auf diese Weise die Blut- und Energiezirkulation in den Meridianen an. Das Rohmaterial für diese Methode liefert sehr lange gelagertes Beifußkraut (Artemisia vulgaris).
Es gibt verschiedene Arten der Anwendung: direkte und indirekte Anwendungen, das Abbrennen von Moxakegeln auf der Haut, die Moxazigarre, das Moxaöfchen, oder die sog. Naturbrenntherapie. Die häufigste Form aber ist das abbrennen über die Akupunkturnadel. (Wärmenadel, nicht zu verwechseln mit der heissen oder Feuernadel)
In China findet man häufig eine Kombination von Akupunktur und Moxibustion, indem man auf die gestochene Nadel einen Bausch Moxawolle setzt, diesen anzündet und so die Nadel erwärmt. Die Wärme wird via Nadel in den Akupunkturpunkt weitergeleitet, wo sie ihre Heilwirkung entfaltet.

Gua-Sha

Gua-Sha ist eine traditionelle Behandlungsform, welche in China und vielen anderen asiatischen Ländern seit Jahrhunderten praktiziert wird. Gua bedeutet Reiben oder Schaben, Sha ist ein Begriff, welcher eine Stagnation von Flüssigkeiten oder Blut im Körper beschreibt. Diese Technik wird mit Hornplatten unter Druck über bestimmten Stellen des Körpers durchgeführt.

(Alle Bilder stammen aus dem Besitz des Autors, die Aufnahmen auf der linken Seite sind während seiner Studienzeiten in China entstanden).